Content Management Systeme aus Sicht eines Entwicklers

Content Management Systeme aus Sicht eines Entwicklers

Als Softwareentwickler und Spezialist für Content Management Systeme kennt Ingo Jäger die Tücken, Vorteile und Herausforderungen unterschiedlichster CMS-Lösungen. Im “Digitalmacher”-Interview zeigt Ingo die Unterschiede zwischen kommerziellen und Open-Source-Lösungen auf, beschreibt seine Erfahrung mit Magnolia CMS und erklärt, weshalb er nichts von Out-of-the-box-Lösungen hält.

Mit welchem CMS lassen sich Webportale am Besten umsetzen?

Ich habe sowohl mit Enterprise als auch Open-Source-Lösungen gearbeitet, wie DotCMS, Magnolia CMS, FirstSpirit oder auch an eigenen Entwicklungen, wie dem ATPS System, welches bei AOL Deutschland zum Einsatz kam. Jedes CMS ist anders und stellt spezifische Anforderungen. Aus Entwicklerperspektive spielt die zugrunde liegende Technologie, die bestehende Systemlandschaft und Schnittstellen und die zur Verfügung stehenden Entwicklerressourcen eine entscheidende Rolle, um Kundenwünsche umsetzen zu können. Ein kommerzielles Produkt ist nicht automatisch besser als eine Open-Source Software, nur weil es teurer ist.

Sind Open-Source-Lösungen den kommerziellen überlegen?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Beide Welten haben Vor- und Nachteile. Enterprise Systeme sind in der Regel auf dem Markt etabliert, besitzen einen Kundenservice mit Hotline und Ticketsystemen, an den man sich bei Fragen oder Problemen wenden kann und weisen in der Regel eine hohe Funktionsvielfalt auf. Diese Leistungen werden über Lizenzen abgedeckt.

Open-Source-Lösungen sind dagegen kostenfrei und werden durch eine große Community gepflegt und dokumentiert. Fragen und Probleme werden in der Regel schnell gelöst. Aus Entwicklersicht ist eine Open-Source Lösung interessant, da das System hochskalierbar ist und auf meine Bedürfnisse angepasst werden kann – sofern es für die Community interessant ist.

Nach welchen Kriterien wählst du das passende CMS aus?

Oftmals gibt der Kunden bestimmte Parameter vor, für die das passende Content Management System gefunden werden muss. Dazu zählen bestehende Systemlandschaften, in die das CMS eingebettet werden muss, Wünsche an die einzusetzenden Technologien wie Java oder PHP und nicht zuletzt die Vorlieben und das Know-how auf Kundenseite. Daher ist es sehr wichtig, dass die Anforderungen des Projektes vorab genau definiert werden. Welche Funktionen soll das CMS erfüllen? Wie skalierbar in Bezug auf die Last und Performance soll das Projekt sein? Welche Schnittstellen (ERP Systeme, Datenbanken, Warentools) müssen angebunden werden? Erst wenn solche grundlegenden Fragen geklärt sind, kann eine Auswahl getroffen werden.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Magnolia CMS?

Ich habe sowohl mit der kostenfreien als auch mit der Enterprise Lösung von Magnolia gearbeitet. Überzeugt hat mich vor allem die Magnolia Architektur, die einen unkomplizierten Austausch von Komponenten und eine alternative Implementierung verwendeter Standards ermöglicht.

Die Funktionalitäten sind modularisiert, wodurch sich der Funktionsumfang gut skalieren lässt. Auf diese Weise können spezielle Module nachträglich installiert, überflüssige Standard-Module entfernt und eigene Module erstellt werden.

In meinem letzten Projekt, bei dem wir toggolino.de für Super RTL auf Basis von Magnolia CMS umgesetzt haben, konnten wir beispielsweise als Persistenzschicht für Jackrabbit MySQL anstatt Filesystem oder Derby implementieren. Als Templating Engine haben wir Thymeleaf statt Freemarker oder JSP genutzt. Auch ein Austausch der JCR-Implementierung durch z. B. Modeshape statt Jackrabbit ist möglich.

Für die Integration eines Produktkataloges, wobei das Produkt ein spezifisches, vom Redakteur, bzw. Administrator konfigurierbares Club-Abonnement darstellt, ließ sich beispielsweise mit dem Konzept der Content Apps umsetzen, welches Anpassungen der JCR Workspaces sowie der Redaktions-GUI bei stark strukturierten, bzw. speziellen Inhalten erlaubt.

Der Einstieg in Magnolia CMS ist sehr einfach, da Magnolia CMS alle bekannten Standard-Open-Source-Technologien (Java, JCR / Jackrabbit, Vaadin, Spring usw.) verwendet. Sämtliche Magnolia-Sources (auch in der kostenpflichtigen Enterprise Edition) sind frei verfügbar und werden in der Regel durch das Magnolia Maven Repo (Nexus) bereitgestellt. Auch ein Zugriff auf die Magnolia Git Repositories ist möglich.

Durch die Kombination aus zur Verfügung stehender Technologien und Sources auf der einen Seiten und den flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten auf der anderen Seite, lässt sich das Magnolia CMS beliebig anpassen und in die Entwicklungs-Workflows integrieren.

Als etwas Nachteilig habe ich das EE-Bundle von Magnolia empfunden, mit dem eine ganze Reihe von Modulen mitausgeliefert und installiert werden, die für unser Projekt nicht relevant waren. Leider ist zumindest auf den ersten Blick überhaupt nicht klar ist, welche Abhängigkeiten es zwischen den einzelnen Modulen untereinander gibt, so dass es sehr zeitaufwendig ist nicht benötigte Funktionalitäten / Module nachträglich wieder zu entfernen. Zudem wird das komplette Redaktions-, bzw. Admin-GUI ausschließlich als Website im Browser bereitgestellt. Das bietet zwar große Vorteile bezüglich der Plattformunabhängigkeit, aber stößt bezüglich Benutzer-Komfort (z.B. bei Drag & Drop Features) und Performance gelegentlich an gewisse Grenzen.

Was sollte ein gutes CMS aus deiner Sicht als Softwareentwickler mitbringen?

Das wichtigste Kriterium für die Bewertung eines CMS aus Entwicklersicht ist die Flexibilität und Anpassbarkeit eines Systems hinsichtlich der Integration in bestehende System-Landschaften, der Interaktion mit anderen System-Komponenten, sowie mit externen Systemen (Schnittstellen für Import und Export von Daten) und der Implementierung zusätzlicher kundenspezifischer Funktionalitäten.

Die perfekte Out-of-the-box-Lösung existiert im Umfeld komplexer Enterprise Systeme meiner Meinung nach nicht, weder bei kommerziellen Produkten noch im Open-Source-Bereich. Es wird immer zusätzlichen Anpassungs- und Individualisierungsbedarf geben. Die Herausforderung besteht darin, das CMS zu finden, welches im Rahmen der spezifischen Kunden- und Projektanforderungen die größten Anteil der gestellten Anforderungen abdeckt und dementsprechend die geringste Anzahl von Funktionslücken offenbart.

Welche sonstigen Technologien interessieren dich in Zusammenhang mit CMS-Systemen?

Grundsätzlich interessieren mich Software-Lösungen, die für die Integration eines CMS in ein heterogenes-Multi-Komponenten-System von Bedeutung sind, z.B. Messaging-Server-Lösungen (RabbitMQ) oder auch Technologien, die sich mit REST beschäftigen, wie beispielsweise Apache Sling. Außerdem finde ich das Thema OR-Mapping grundsätzlich recht spannend (Hibernate, Spring Data).

Veröffentlicht am 16. Juni 2015, aktualisiert am 09. Oktober 2020

Teilen auf

Ingo Jäger

Ingo Jäger war seit 2008 als Softwareentwickler mit Fokus auf Java bei der Neofonie tätig. Zuvor war er unter anderem als Entwickler und Projektmanager bei der AOL beschäftigt. Sein ausgeprägtes Know-how für Content Management Systeme bringt er bei der Umsetzung unterschiedlicher Kundenprojekte ein, wie toggolino.de, spanien.de, olympus.com und kalaydo.de. Eine weitere Leidenschaft Ingos ist Fußball.

Noelani_Mac

noelani.de: Der neue Onlineshop für trendbewusste Frauen

Der femininen Schmuck von NOELANI erhält erstmalig eine eigene Onlinepräsenz. Von der Konzeption, über das Design bis zur Entwicklung auf Shopware 6 hat Neofonie den neuen Onlineshop umgesetzt.

KI & Forschung 09-2021

In der September-Ausgabe von „KI und Forschung“ werden die Themen Künstliche Intelligenz als Forschungsgebiet, Arbeiten in der Zukunft und Neuigkeiten von Google aus dem Search On Event vorgestellt.

ION ONE beim Digital Marketing Summit 2021

Der Digital Marketing Summit ist das Event des Jahres 2021 für Themen des digitalen Marketings und UX/UI. Axel Hillebrand von der UX-Agentur ION ONE ist mit einem Vortrag vertreten und zeigt, wie B2B-Websites in Lead-Maschinen verwandelt werden.

Whitepaper: Goldstandard für kundenspezifische Suchlösungen

Eine kontinuierliche Optimierung einer Suche ist unerlässlich. In dem Whitepaper „Goldstandard für kundenspezifische Suchlösungen“ stellt Cornelia Werk, Lead Consultant Search bei ontolux, Konzepte einer goldstandardbasierten Evaluation vor.

Index eines Buches

Neofonie startet Forschungsprojekt mit der HU Berlin

Zusammen mit dem Lehrstuhl der HU Berlin von Professor Alan Akbik, startet Neofonie das ZIM Projekt Semantische Begriffsanalyse für Information Retrieval Aufgaben (SEBIRA).

Header_Crossplan_PM

Crossplan Deutschland und Neofonie Mobile GmbH entwickeln Wrapper SDK für Audio-Apps

Mit dem neuen Wrapper SDK von Crossplan Deutschland stehen Audio-Publishern einfach und effizient alle benötigten SDKs für ein datengetriebenes App Advertising und Audio-Marketing zur Integration in die eigene App-Landschaft zur Verfügung. Radiostationen und Audio-Publisher können damit im Handumdrehen ihre Apps mit Datenmanagement-, Tracking- und Werbefunktionalitäten ausstatten.

Green_IT

Neofonie mit klimaneutraler Website

Neofonie setzt auf Green IT und ist bemüht, Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren und Ressourcen umweltschonend einzusetzen. Jeder Klick auf neofonie.de ist klimaneutral. Neofonie unterstützt hierfür zertifizierte Klimaprojekte.

Guided Selling im B2B – digitale Vertriebsoptimierung

ION ONE unterstützt den B2B-Vertrieb, mithilfe von Guided Selling Workshops, um potenzielle Kunden effektiv zu beraten und Kunden vom Kauf zu überzeugen.

Managed Hosting mit mpex für maximale Sicherheit

Die Managed Hosting Lösungen unseres Partner mpex sorgen mit maximaler Sicherheit für beste Ergebnisse im Deployment und Betrieb von Neofonie und unser Kunden.

Core Web Vitals und deren Auswirkung auf die Webentwicklung

Mit der Einführung der Core Web Vitals Mitte Juni 2021 als zusätzliche Rankingfaktoren kommen auf die Webentwicklung neue Herausforderungen zu.

Geburtstagsverlosung bei ION ONE

ION ONE begeistert bereits seit einem Jahr seine Kunden. Feiern Sie das heutige Jubiläum mit und gewinnen Sie einen kostenfreien Workshop Ihrer Wahl.

Fussball_2021

Social Analytics zur UEFA EURO 2020

Wie wird über die spannendsten Ereignisse vor, während und nach den Spielen in den sozialen Netzwerken zur EURO 2020 gesprochen – eine Social Media Analyse von ontolux.

Sinnbild für Online Shopping

Warum eine goldstandard-basierte Evaluation?

Zur diesjährigen MICES trifft sich die E-Commerce-Suchgemeinschaft, um neueste Trends zu diskutieren. Mit dabei sind Cornelia Werk und Bertram Sändig von ontolux, die anhand von Kundenprojekten die Vorteile einer goldstandard-basierten Evaluation vorstellt.

amor_device_700

amor.de auf Shopware 6

Seit über 40 Jahren vertreibt Amor Echtschmuck und ist Europas Marktführer im mittleren Preissegment. Mit der Konzeption und Umsetzung des neuen Onlineshop hat der Schmuckhersteller Neofonie beauftragt.

DigitalHealthcare_Neofonie

Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit dem kürzlich beschlossenen Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungsgesetz (DVPMG) verabschiedet der Bund bereits das dritte Gesetz, um die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt voranzutreiben. Für die Vernetzung aller Beteiligten im Markt gestaltet Neofonie die Gesundheitstechnik von morgen aktiv mit und unterstützt Unternehmen, bei der Entwicklung von E-Health Lösungen.

Mit UX-Design die Customer Experience im Onlineshop beeinflussen

In der Videoreihe der media.net berlinbrandenburg zum Thema Customer Experience im E-Commerce, gibt Axel Hillebrand, UX Consultant von ION ONE, wertvolle Tipps, wie eine gute Usability und ein ausgefeiltes UX-Design Nutzer begeistert und so Ihre Conversion positiv beeinflusst.

Digitalen Wandel mit Managed IT-Services gestalten

Die stets an Komplexität gewinnenden Web- und E-Commerce-Projekte erfordern auf allen Ebenen ein Höchstmaß an Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Bei diesen hohen Anforderungen wird Neofonie bereits seit 2004 durch das Berliner Hostingunternehmen mpex in allen Belangen des Betriebs unterstützt.

Digitales Recruiting – mit neuen Strategien gewappnet für die Zukunft

Celina Martin, HR-Managerin bei Neofonie Mobile war bei Digital Bash HR zu Gast und diskutierte mit HR-Experten zum Thema Digitales Recruiting in 2021 und gab Einblicke in HR-Strategien der Neofonie Mobile. Candidate Experience ist besonders wichtig im digitalen Wandel des Recruitings.

Container wird hochgehoben

Docker-Container als ideales Software-Transportmittel

Webprojekte werden immer komplexer und die Halbwertszeit der Technologien, die dabei zum Einsatz kommen, werden immer kürzer. Für die Softwareentwicklung ist die Containertechnologie von Docker ein ideales Transportmittel.

Corona-Reise-Check auf Shortlist für Deutschen Digital Award

In der Kategorie „Digital for Goods“ ist der Corona-Reise-Check des Wort & Bild Verlages für den Deutschen Digital Award 2021 nominiert. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. hat in einer Shortlist die Vorauswahl getroffen.

Unser Newsletter „Neo Report“ vermittelt konkretes Praxiswissen, Trends und Know-how für Ihr digitales Business – quartalsweise und kompakt. Jetzt anmelden.