Sabbatical bei Neofonie

„Ein Sabbatical kann ich jedem nur empfehlen.
Ich habe die Zeit für mich genutzt,
um zu reisen und Musik zu machen.
Es ist in jedem Fall eine Bereicherung.“ Markus S.

Work-Life-Balance-Maßnahme Sabbatical bei Neofonie

Einmal aus dem Job aussteigen, um zu reisen, Träume zu realisieren oder ganz neue Wege für das eigene Leben zu finden. Viele beschäftigen sich mit derartigen Gedanken. Ein Sabbatical kann diese Auszeit vom Job ermöglichen. 
Waren es in 2012 noch 10 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die sich für dieses Work-Life-Balance-Instrument interessierten, waren es in 2016 bereits 21 Prozent, Tendenz steigend. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit zu einem Sabbatical über unterschiedliche Finanzierungsformen an. Wir haben Markus S., Professional System Operator bei Neofonie zu seinem Sabbatical befragt.

Der Beitrag kann auch angehört werden.

In welcher Situation kam dir erstmals der Gedanke: Jetzt brauche ich eine Auszeit?

Die Idee hatte ich schon länger im Hinterkopf, aber irgendwann war einfach der richtige Zeitpunkt da: Privat hatte ich mich gerade aus einer Beziehung gelöst, auch meine Wohnungssituation hatte sich verändert. Allerdings verging dann noch einmal ein Jahr, bis ich das Sabbatical tatsächlich antreten konnte. Es gab ja noch viel zu organisieren und zu regeln, auch mit der Firma.

Wann hat dein Sabbatical begonnen und wie lange hat es gedauert?

Von Januar 2018 bis Ende Juli 2018.

Wie hast du diese Zeit verbracht, welchen Traum hast du dir erfüllt?

Ich wollte weg. Rauskommen. Reisen und schauen, was es sonst noch so gibt auf der Welt. Und ich wollte Musik machen. Ich spiele Schlagzeug, war auch von Berlin aus viel am Wochenende mit meiner Band unterwegs und hatte deshalb sogar meine wöchentliche Arbeitszeit reduziert, um mehr Zeit dafür zu haben. Reisen und Musik machen – das war der Plan.

Bist du zusammen mit deiner Band auf große Tour gegangen?

Nein, meine Reise war praktisch auch eine Auszeit von der Band. Ich bin allein aufgebrochen.

Wohin hat dich dein Weg geführt und wie lange warst du unterwegs?

Zunächst war ich zwei Monate in Kuba, dann einige Wochen in Mexiko, schließlich bin ich über Portugal in den Senegal geflogen. Wo ich dann etwa drei Monate geblieben bin. Insgesamt war ich also ein halbes Jahr unterwegs.

Hattest du bereits alles im Vorfeld geplant, deine Stationen festgelegt?

Nein, ganz im Gegenteil. Eigentlich wusste ich nur: Ich fange in Kuba an, und irgendwann will ich in Afrika landen. Ansonsten wollte ich spontan bleiben. Die erste Zeit in Kuba musste ich allerdings planen, da der Tourismus dort sehr restriktiv gehandhabt wird. Meine Privatunterkunft hatte ich mir schon in Deutschland organisiert, übrigens über den Kontakt einer Kollegin aus der Neofonie – ein echter Glücksfall. Abgesehen davon hatte ich nur einen Hinflug gebucht. Das war schon sehr aufregend, dieser Moment im Flugzeug. Zu wissen: Jetzt geht‘s wirklich los!

Nun saßt du also im Flieger nach Kuba. Wie ging es dort weiter?

Den ersten Monat habe ich in Havanna verbracht. Ich wohnte bei einer Familie und habe in einer Musikschule in der Nähe Conga gelernt, die kubanische Trommel. Im zweiten Monat bin Richtung Südwesten weitergereist. Geschichtlich fand ich das sehr spannend, denn vor dem Hintergrund des ehemaligen Sklavenhandels sind dort 90 Prozent der Bevölkerung afrikanisch geprägt. Nach Havanna und dem vielen Salsa hatte ich mir erhofft, dort noch einmal etwas authentischere Musik vorzufinden. Und wurde auch nicht enttäuscht.

Wie unterscheiden sich die Musikstile denn?

Auch im Südwesten handelt es sich natürlich um Latin, aber man hat dort weniger die modernen westlichen Bandformationen mit Bass, E-Bass und Schlagzeugen. Alles ist etwas rauer, man findet eher Trommelgruppen, die in Hinterhöfen spielen, und dazu wird gesungen. Also ein Kontrastprogramm zu den Clubs von Havanna, die sehr touristenfreundlich sind und einen super Sound haben.

Wie ging es nach Kuba weiter?

Da ich vom äußersten Südwesten Kubas quasi nach Mexiko hinüberschauen konnte, beschloss ich: Das muss ich jetzt auch noch sehen. Mein Plan war, einen Monat dort zu bleiben, mich nicht groß niederzulassen, sondern herumzureisen. Aber musikmäßig hat es für mich dort nicht so gepasst, generell bin ich auf wenig Musik gestoßen. Und so bin ich schon nach zwei Wochen von Capun aus nach Lissabon geflogen. Dort konnte ich meinen Rucksack wieder auffüllen, außerdem musste ich mich einer Malaria-Prophylaxe unterziehen. Diese zwei Tage in Portugal waren etwas stressig, aber ich hatte wie gesagt wenig im Voraus geplant.

Wie gut vorbereitet warst du dann auf deine letzte Station, den Senegal?

Auch hier habe ich abgesehen von der Unterkunft alles eher auf mich zukommen lassen, war im Grunde etwas blauäugig. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass ich mitten in der Nacht in Dakar landen würde und da sich mein Quartier in den Außenbezirken befand, war es etwas kompliziert hinzukommen. Alle Mitreisenden stiegen in Privatautos, ich stand verloren mit meinem Rucksack herum.

Hoffentlich lief es danach besser?

Absolut – die zwei Monate im Senegal waren die beste Zeit meiner gesamten Reise! Ich habe schnell Kontakt gefunden, viel Musik gemacht, hatte einen Lehrer, der mir mit meinem Schlagzeug Gigs vermittelt hat. Und wie schon in Kuba habe ich lokale Schlaginstrumente kennen gelernt, etwa die Sabar-Drum.

Wie kann ich mir deinen typischen Tag in Dakar vorstellen?

Morgens habe ich mir meist in der Bäckerei um die Ecke ein Croissant geholt und bin erst einmal ans Meer gegangen. Dort habe ich ein wenig meditiert und bin dann irgendwann in den Bus gestiegen, um mich mit Leuten zu treffen. Diese Fahrten waren immer recht abenteuerlich, Dakar ist eine riesige Stadt mit krassem Verkehr, häufig gab es Pannen. Ja, und dann wurde gemeinsam getrommelt, irgendwo auf einer Parkbank oder am Strand oder auf einem Dach.

Wie hast du dir diese Gelegenheiten zum Musikmachen gesucht?

Über Facebook hatte ich mich im Vorfeld schon etwas vernetzt und den einen oder anderen Lehrer vorher kennengelernt, oder auch musikmachende Expats, die schon länger im Land unterwegs waren. Ich war selbst ein wenig erstaunt, dass das so gut geklappt hat – ich bin eigentlich kein großer Social-Media-Fan.

Was war denn dein absolutes Highlight der Reise?

An eine Gig-Reihe in Dakar erinnere ich mich besonders gern. Die Auftritte fanden auf einem Dach oberhalb eines belebten Markts statt, und es war einfach ein tolles Erlebnis, dort für die vielen Menschen Musik zu machen – absolut verrückt! Und das Ganze hatte auch noch ein kurioses Nachspiel: Als ich nach einem der Auftritte gerade vom Dach kraxelte, überreichte man mir einen Brief. Ein Junge schrieb, dass er mich nun zum zweiten Mal gehört hätte und meine Musik toll fände. Ob er nicht bei mir Schlagzeug lernen könne? Beigefügt hatte er seine Telefonnummer und ein Geldstück – damit ich ihn anrufe.

Solche Erfahrungen, überhaupt so eine Reise, wirken sicher noch lange nach. Würdest du sagen, dass dein Sabbatical dich verändert hat?

Hm. Ich wünschte, ich könnte jetzt sagen, ich bin seitdem viel entspannter, sehe die Dinge mit anderen Augen, und so weiter…. Aber ehrlich gesagt war ich nach meiner Rückkehr auch schnell wieder drin im Alltag. Die Reise selbst habe ich unglaublich genossen, sie hat mir gutgetan, und ich bin auch wirklich gut runtergekommen. Und klar ist auch: So etwas möchte ich wieder machen!

Klingt so, als ob du es keine Minute bereut hast.

Absolut nicht. Obwohl es durchaus auch unangenehme Erfahrungen gab. Zum Beispiel: Der Weiße zu sein, automatisch den Stempel „reich“ aufgedrückt zu bekommen. Die Leute, die sich dir nähern, wollen etwas von dir. Dahinter steckt nichts Böses, du wirst nicht angepöbelt oder so – aber eben ausgeschlossen. Und dieses Gefühl ist nicht schön.

À propos „reich“: Wie hast du deine Auszeit finanziert?

Bereits ein halbes Jahr vor Antritt des Sabbaticals habe ich nur noch die Hälfte meines Gehalts bekommen. Und während des Sabbaticals dann die andere Hälfte. Aber da gibt es unterschiedliche Modelle, die man mit dem Arbeitgeber besprechen kann.

Wie hat Neofonie auf deinen Wunsch reagiert, ein Sabbatical zu nehmen? War viel Überzeugungskraft notwendig?

Überhaupt nicht, alles lief erstaunlich unkompliziert. Bei meinem damaligen Chef bin ich auf offene Ohren gestoßen, ebenso bei der Personalabteilung. Ich fühlte mich sehr unterstützt. Wir haben uns zusammengesetzt, die Optionen besprochen und alles durchgeplant.

Konntest du deine Aufgaben denn so einfach an andere übergeben?

Das war auch unkritisch, da wir ein großes Team sind, bearbeiten wir ohnehin viele Aufgaben gemeinsam.

Ist es dir während des Sabbaticals gelungen, dich komplett von der Arbeit abzukoppeln?

Ich war komplett raus. Eine Mail an die Kollegen nach dem Motto „Schönen Gruß, ich lebe noch!“ – das war alles.

Hat es deiner Arbeit und deiner Karriere in irgendeiner Form geschadet, dass du so lange raus warst?

Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass man sich selbst auch in Bezug auf die Arbeit besser kennenlernt. Man bekommt einen Blick von außen, sieht klarer, wie man sich in der Firma vielleicht noch weiterentwickeln könnte. Das inspiriert.

Was würdest du Kollegen raten, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, ein Sabbatical zu nehmen?

Auf jeden Fall früh bei der Firma ankündigen, mindestens ein Jahr vor dem geplanten Start. Und dann miteinander die Optionen überlegen, schauen, was für die Firma passt und für einen selbst. Mein Tipp: Einfach auf die HR zugehen!

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Das Interview führte Susen Rumposch.
Veröffentlichung am 28.06.2022

Den Beitrag hören:

Markus S.

Professional System Operator

Markus betreut als Professional System Operator in der Abteilung ASP (Application Services) bei der Neofonie bereits seit 2010 viele Projekte im Betrieb und Deployment.

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